Mit Leichtlehm und Schilfrohr

30.12.2016

„Netzwerk Klimaschutz und Denkmalpflege“ – Vorbildliche energetische Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes in Mühlacker-Mühlhausen

Mühlacker - Wer sich für die energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden interessiert, kann sich künftig an das neue „Netzwerk Klimaschutz und Denkmalpflege“ wenden, das auf Initiative der Stabstelle Klimaschutz und Kreisentwicklung im Landratsamt ins Leben gerufen wurde. Gründungsmitglied ist die Familie Blaich, die für die vorbildliche Renovierung eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses in Mühlacker-Mühlhausen bei der diesjährigen Verleihung des Energie- und Solarpreises beim ebz ausgezeichnet wurde.

„Das Haus beeindruckt durch eine sehr detailgetreue, denkmalgerechte und gleichzeitig energetisch optimale Sanierung und ist dadurch zu einem echten Vorzeigeobjekt geworden“, freut sich Erster Landesbeamter Wolfgang Herz, der als Dezernent die Bereiche Baurecht, Denkmalpflege und Klimaschutz verantwortet. Davon konnte sich Herz zusammen mit der Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz und Kreisentwicklung, Edith Marqués Berger, sowie Armin Holdschick und Sandra Bochinger von der ebz-Kommunalberatung bei einer Besichtigung vor Ort überzeugen.

Die fachkundige Führung übernahmen die an der Sanierung beteiligten Planer, Diplom-Ingenieur Harry Kaucher vom gleichnamigen Ingenieurbüro und Thomas Kern von der Firma Kern Holzbau, beide aus Königsbach-Stein, sowie Eigentümerin Heike Blaich. Die Fachleute waren sich schnell einig: Das hier eingeflossene Fachwissen und die gesammelten Erfahrungen sollen auch Anderen zugänglich gemacht werden. „Es ist wichtig, Hemmschwellen abzubauen und sich zu vernetzen, damit so ein anspruchsvolles Projekt wie die energetische Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes gelingt“, betont Wolfgang Herz.

„Die Erhaltung vom Denkmalamt festgelegter Gebäudeteile bei gleichzeitiger Optimierung der Klimabilanz war eine große Herausforderung, aber gemeinsam haben wir das gut gemeistert“, freut sich Heike Blaich. „Die Maxime lautet Reparieren vor Erneuern“, bringt es Harry Kaucher auf den Punkt. „Die fachgerechte Instandsetzung, wenn möglich in traditioneller Technik, ist die einfachste und schonendste Art der Denkmalpflege.“

Kaucher, der beim ebz auch als Energieberater tätig ist, hatte die Sanierung unter energetischen und bauphysikalischen Gesichtspunkten im sogenannten „KfW-Effizienzhaus-Standard“ geplant. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW) bietet für solche Gebäude erleichterte Fördervoraussetzungen und attraktive Kredite oder Zuschüsse.

An vielen Stellen des Blaich-Hauses wurden alte Baustoffe verwendet. Die für die Wände benutzten Materialien – Leichtlehm und Schilfrohr – können Feuchtigkeit binden und sind dadurch eine ideale Dämmung. Ein neues Wandheizungssystem schafft ein angenehmes Raumklima. Im Nebengebäude sind Vorkehrungen für eine Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher in einem intelligenten Stromnetz getroffen.

„Wir freuen uns, dass es Menschen gibt, die nicht nur visionär vorausdenken, sondern ihre Ideen auch in die Tat umsetzen“, meint Wolfgang Herz. „Dieses Projekt steht als Beispiel, wie der Zielkonflikt zwischen Denkmalpflege und Klimaschutz in der Praxis aufgelöst werden kann.“ Durch eine Auszeichnung mit dem Energie- und Solarpreis bekämen die Teilnehmer eine Anerkennung für ihre nicht unerheblichen finanziellen Investitionen. „Es ist ein gutes Gefühl, etwas für den Klimaschutz und die Erhaltung historischer Bausubstanz getan zu haben“, findet Hauseigentümerin Heike Blaich. Sie hat den Umzug aus einem modernen Wohnhaus in das sanierte denkmalgeschützte Fachwerkhaus noch keinen Augenblick bereut: „Es ist einfach ein anderes Wohnen. Und die Hausstauballergie unserer Tochter ist auch kein Thema mehr.“

Weitere Informationen zum Thema „Energieeffizienz bei Denkmalgebäuden und Fachwerkhäusern“ gibt es am 16. Februar im Rahmen der ebz-Vortragsreihe „Bauen und Energie“. Harry Kaucher ist dienstags von 15 bis 18 Uhr im ebz unter Telefon 07231 3971-3600 zu erreichen. Wer Interesse am Netzwerk hat, kann sich unter Telefon 07231 308-9607 auch an Armin Holdschick wenden. (enz)