Mühlacker auch im Januar an der Spitze

02.02.2017

Agenturbezirk Nagold-Pforzheim: Frost und Schnee lassen Arbeitslosenzahl steigen, aber deutlich unter Vorjahreswert - Arbeitsagenturchefin weiter zuversichtlich

Mühlacker/Nagold. Regionale Arbeitslosenquoten im Januar im Arbeitsagenturbezirk Nagold-Pforzheim: Im Vergleich der sieben Geschäftsstellenbezirke bleibt Mühlacker mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent an der Spitze. Es folgen Nagold und Horb (jeweils 3,3 Prozent), Calw und Freudenstadt (jeweils 3,4 Prozent), Bad Wildbad (4,5 Prozent) und Pforzheim (4,7 Prozent).

Die Arbeitslosenquote im Enzkreis liegt jetzt bei 2,9 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Im Januar 2016 lag sie ebenfalls bei 2,9 Prozent. Damit belegt der Enzkreis, gemeinsam mit Tuttlingen, Platz zwei in Baden-Württemberg. Insgesamt waren 3153 Personen arbeitslos gemeldet, davon 1768 (56,1 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1385 (43,9 Prozent) in der Grundsicherung. Im Januar wurden 246 Stellenangebote gemeldet. Das waren 28 oder 10,2 Prozent weniger als im Vormonat aber 16 oder 7,0 Prozent mehr als vor einem Jahr. Derzeit sind 1011 offene Stellenangebote im Bestand, 155 oder 18,1 Prozent mehr als im Januar 2016, heißt es in einer Pressemitteilung aus Nagold, dem Sitz der regionalen Agentur.

Die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim ist von Dezember auf Januar um 855 oder 7,1 Prozent auf 12913 gestiegen. Trotz der saisonal üblichen Zunahme gegenüber dem Vormonat lag die Arbeitslosigkeit um 802 oder 5,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, hat sich gegenüber Dezember um 0,2 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent erhöht. Im Januar 2016 lag sie bei 4,2 Prozent.

Im Januar wirkten sich die jahreszeitlich üblichen Entlassungen in den saison- und witterungsabhängigen Wirtschafszweigen aus. Bei Schnee und Dauerfrost ruhte auf Baustellen sowie in der Land- und Forstwirtschaft vorübergehend die Arbeit. Auch in anderen witterungsabhängigen Branchen trennen sich die Arbeitgeber zeitweise von ihren Mitarbeitern, die dann für kurze Zeit arbeitslos werden. Aber auch das Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen zum Jahresende 2016 sowie der Kündigungstermin zum Quartalsende im Angestelltenbereich waren Gründe für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen. So wurden beispielsweise im Versand- und Einzelhandel aber auch in der Gastronomie nach dem Ende des Weihnachtsgeschäfts nicht alle befristet beschäftigten Saisonkräfte weiterbeschäftigt. „Die Ausgangslage ist dennoch stabil. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir die nach wie vor gute Konjunktur im Frühjahr wieder für eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit in der Region nutzen können“, so Martina Lehmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim.
Der Arbeitskräftebedarf ist, bedingt durch die Feiertage zum Jahreswechsel und Betriebsferien im Januar, zurückgegangen. Insgesamt wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim 920 freie Stellen gemeldet, 375 oder 29,0 Prozent weniger als im Vormonat und drei oder 0,3 Prozent weniger vor einem Jahr.

Arbeitslose
Im Januar meldeten sich insgesamt 1937 Arbeitnehmer im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos, 172 oder 8,2 Prozent weniger als im Januar 2016. Im gleichen Zeitraum konnten 783 Frauen und Männer ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Erwerbstätigkeit beenden, 25 oder 3,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Das Risiko, nach einer Kündigung oder einem ausgelaufenen Vertrag ohne Job dazustehen, ist aktuell sehr gering. Zugleich wird es schwieriger, aus Arbeitslosigkeit heraus wieder in Beschäftigung zu kommen. Dies gilt besonders für Un- und Angelernte ohne formale Qualifikation, für die es auf dem Arbeitsmarkt immer weniger adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten gibt.

Beratungs- und Förderinstrumente
Durch den Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften ist die Wiederbesetzung freier Stellen für die Unternehmen schwieriger geworden. Sie scheuen sich, Mitarbeiter zu entlassen, weil sie wissen, dass es zunehmend schwerer wird, bei entsprechendem Bedarf wieder gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.
„Mit dem Thema Digitalisierung werden wir uns im aktuellen Geschäftsjahr noch intensiver beschäftigen als bisher schon. Eines steht in jedem Fall fest: Im Zuge der Digitalisierung wird die Qualifikation unserer Beschäftigten stark an Bedeutung zunehmen“, so Lehmann. „Unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ wollen wir daher alle An- und Ungelernten, auch die Beschäftigten, dazu motivieren, einen Berufsabschluss nachzuholen. Wir haben hierfür gute Beratungs- und Förderinstrumente. Aber auch Fachkräfte sollen und müssen ihr Know-how permanent den aktuellen technologischen Entwicklungen anpassen“, sagte die Agenturchefin.

Geflüchtete Menschen am regionalen Arbeitsmarkt
Im Januar waren im Agenturbezirk Nagold-Pforzheim 2430 Geflüchtete als Arbeitsuchende gemeldet, darunter waren 1095 arbeitslos. Arbeitsuchende Geflüchtete, die nicht arbeitslos sind, nehmen insbesondere an Integrationskursen oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil oder gehen einer Erwerbstätigkeit nach.

Entwicklung nach Rechtskreisen
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) gab es im Januar 6293 Arbeitslose, 944 oder 17,6 Prozent mehr als im Dezember. Dagegen ging die Arbeitslosigkeit im SGB II-Bereich (Hartz IV) gegenüber Dezember um 89 oder 1,3 Prozent auf 6620 zurück.
Hierbei ist zu beachten, dass seit 1. Januar 2017 die sogenannten „Aufstocker“, also Personen die aufgrund von Hilfebedürftigkeit neben dem Arbeitslosengeld aufstockend auch Arbeitslosengeld II beziehen, nach dem 9. Gesetz zur Änderung des SGB II vermittlerisch durch die Agenturen für Arbeit betreut werden. Die Aufstocker werden dadurch ab Januar 2017 im Rechtskreis SGB III erfasst, bis Dezember 2016 erfolgte dies im Rechtskreis SGB II. Vergleiche mit Monaten vor Januar 2017, insbesondere zur Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen, sind damit eingeschränkt aussagekräftig.

Aufstocker
Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2016 wurden in einem Januar im Agenturbezirk Nagold-Pforzheim 300 Aufstocker gezählt. Diese Zahl ermöglicht eine ungefähre Einschätzung, um wie viele Personen der Arbeitslosenbestand im Rechtskreis SGB III im Januar 2017 allein durch den Rechtskreiswechsel der Aufstocker angestiegen sein könnte. Die genaue Zahl an Aufstockern, die im Januar 2017 den Rechtskreis gewechselt haben, steht erst mit den endgültigen Daten zur Grundsicherung im Berichtsmonat April 2017 zur Verfügung.

Entwicklung in den Landkreisen und der Stadt Pforzheim
Die unterschiedlichen Strukturen innerhalb des Agenturbezirkes haben auch im Dezember zu einer großen Bandbreite der Arbeitslosenquoten geführt. Sie liegt zwischen 2,9 Prozent im Enzkreis und 6,8 Prozent im Stadtkreis Pforzheim (Kreis Calw 3,6 und Freudenstadt 3,4 Prozent).