Das letzte Modul im kommenden Jahr in Schweden

10.12.2016

Fachkräftemangel betrifft zunehmend auch die Verwaltung: Delegation aus Schweden zu Gast im Enzkreis - Auch in Mühlacker - Kooperation im Rahmen der Personalentwicklung

Plant Enzkreis-Landrat Karl Röckinger eine neue Partnerschaft? Ist nach Polen, Ungarn und Italien nun Schweden dran? „Bei allen Unterschieden haben wir doch sehr viele Gemeinsamkeiten“, meint Röckinger. Deshalb will das Landratsamt in ausgewählten Bereichen mit der schwedischen Stadt Norrköping zusammenarbeiten. Zu einem ersten Austausch war nun eine Delegation aus Schweden zu Gast im Enzkreis, darunter in Mühlacker. Im Mittelpunkt standen die unterschiedlichen Aufgaben und Strukturen der beiden Verwaltungen sowie die jeweilige Unternehmenskultur und Führungsphilosophie.

Im September hatte Röckinger am Rande einer Studienfahrt der Enzkreis-Bürgermeister in Schweden eine Interessensbekundung unterschrieben. Das Ziel: Gewinnung und Förderung von qualifiziertem Personal für die öffentliche Verwaltung, insbesondere bei Führungskräften. „Wir haben gerade in den letzten zwei Jahren deutlich zu spüren bekommen, dass das Bewerberfeld merklich ausgedünnt ist“, erklärt der Kreischef. Das gelte noch stärker für Führungspositionen. Aktuelles Beispiel: Lediglich eine Handvoll Bewerbungen auf eine Amtsleitungsstelle (Umelt und Natursschutz) sei beim Kreis eingegangen.

Um sich hausintern besser aufzustellen, hat der Enzkreis in diesem Jahr ein Nachwuchsprogramm für Führungskräfte aufgelegt. In verschiedenen Modulen werden ausgewählte Mitarbeiter zu Themen fortgebildet, die für Sachgebiets- oder Amtsleiter unbedingt notwendig sind. „Wenn der eineinhalbjährige Pilotkurs erfolgreich verläuft, soll das Programm erneut angeboten werden“, so Röckinger.

Das letzte Modul der Schulung soll im kommenden Jahr in Schweden gemeinsam mit dortigen Kollegen stattfinden. Norrköping hat mit anderen Kommunen eine eigene Führungskräfte-Akademie eingerichtet, wie der Landrat von Per-Olov Strandberg erfuhr, dem Personalchef im Rathaus der Stadt. „Ich bin sicher, dass wir gegenseitig viel profitieren und lernen können“, meinen sowohl Strandberg als auch Röckinger.

Beim aktuellen Besuch interessierten sich die Schweden vor allem für die „Leitlinien für Führung und Zusammenarbeit“, an denen sich die Kreisverwaltung schon seit 1998 orientiert. Sie waren seinerzeit – wie viele andere Bausteine der Verwaltungsmodernisierung seither – unter Einbeziehung der Beschäftigten erarbeitet worden. Aber wie, so die zentrale Frage der Gäste, werden die Leitlinien umgesetzt und vor allem gelebt? Antworten darauf gab es unter anderem im Rahmen eines „speed datings“, bei dem sich Führungskräfte aus Norrköping und dem Enzkreis in kurzen Vier-Augen-Gesprächen austauschten.

In Mühlacker: Rabennest und Berufsschule
Auf der Gästeliste standen Amts- und Bereichsleiter insbesondere aus den Bereichen Soziales und Senioren. Außerdem gehörten eine Kita-Leiterin und drei Schulrektoren zur Delegation – in Schweden sind alle Lehrkräfte bei den Kommunen angestellt. Deshalb hatte Svendia Strauß, im Landratsamt für die Verwaltungsmodernisierung zuständig, Besuche in Mühlacker bei der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule und im Kindergarten „Rabennest“ vorbereitet. Schulleiter Veit Kibele gab einen Einblick in das System der beruflichen Bildung und seine Rolle als Führungskraft.

Im Rabennest waren Ute Beierle und ihr Team von den Gesprächen mit den Kollegen aus Skandinavien so beeindruckt, dass sie über einen Gegenbesuch in Norrköping im kommenden Jahr nachdenken. „Vieles ist sehr ähnlich, aber bei manchem können wir wohl einiges lernen“, begründet Beierle die Initiative. Vor allem die Tatsache, dass es in Schweden für die Väter fast selbstverständlich sei, sich in die Erziehungszeit mit einzubringen, habe zu anerkennendem Nicken bei ihren Kolleginnen geführt.