Auf den Punkt gebracht

14.12.2016

Über 12.000 Vermessungspunkte neu bestimmt: Enzkreis ist bereit für landesweite Umstellung auf modernes Koordinatensystem

„12.000 Vermessungspunkte im Enzkreis neu zu bestimmen war eine Herkulesaufgabe – aber wir haben es geschafft!“ berichtet Iris Schlicksupp, Leiterin des Vermessungs- und Flurneuordnungsamts, nicht ohne Stolz. Die zuständige Dezernentin, Dr. Hilde Neidhardt, ließ sich bei den letzten noch fehlenden Passpunkten auf der Gemarkung Stein über das aufwendige Verfahren informieren.

Die Arbeiten waren notwendig geworden, um eine europäische Vorgabe umzusetzen: Sie sieht vor, die Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters bis Ende 2017 vom bisherigen Gauß-Krüger-Koordinatensystem in das europaweite Bezugssystem ETRS89 zu überführen. „Dadurch wird die satellitengestützte Positionsbestimmung erleichtert und vereinfacht“, ist sich Schlicksupp sicher. So werde ihr Amt Grenzfeststellungen, Einmessungen von neu errichteten und veränderten Gebäuden oder Straßenvermessungen deutlich schneller erledigen können.

Der Enzkreis mit seinen 28 Städten und Gemeinden umfasst 66 Gemarkungen mit mehr als 21.000 Vermessungspunkten. Davon wurden etwa 60 Prozent durch moderne Satellitenmessung vor Ort neu bestimmt und anschließend gemarkungsweise rechnerisch überprüft. Diese sind wiederum die Ausgangspunkte für die folgende rechnerische Festlegung aller weiteren Vermessungs- und Grenzpunkte im neuen Koordinatensystem.

Die eigentliche Überführung aller Koordinaten des Liegenschaftskatasters in Baden-Württemberg in das neue Koordinatensystem ETRS89/UTM erfolgt ab 2017 zentral durch das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung in Stuttgart. Ab 2018 werden die Geobasisdaten dann nur noch im neuen Koordinatenreferenzsystem für alle Geodatennutzer zur Verfügung stehen. „Der Vorteil des neuen, europaweit einheitlichen Systems erweist sich vor allem bei grenzübergreifenden Projekten, da bisher notwendige Umrechnungen zwischen verschiedenen Systemen entfallen“, erläutert Iris Schlicksupp.

„Dass die Zielvorgabe trotz des topographisch anspruchsvollen Geländes und vieler Waldflächen durch eine enorme Energieleistung eingehalten werden konnte, ist sehr erfreulich“, lobt auch Erster Landesbeamter Wolfgang Herz die Arbeit der Teams aus Vermessungs-Technikern und -Ingenieuren. Herz hatte das Projekt als zuständiger Dezernent in dessen Anfangszeit begleitet. (enz)