Bienenstöcke auf dem begrünten Rathausdach?

30.10.2016

Ideensammlung beim ersten Workshop des Aktionsbündnisses „Mühlacker summt!“ – Stadt unterstützt

Mitglieder der Initiative „Mühlacker summt!“ am Ende des ersten Workshops
Mitglieder der Initiative „Mühlacker summt!“ am Ende des ersten Workshops

Mühlacker. Ein Bienenturm, eine Börse für Pflanzensamen, Blumenwiesen in den Stadtfarben oder gar Bienenstöcke auf dem begrünten Rathausdach? Ideen gab es viele beim ersten Workshop des Aktionsbündnisses „Mühlacker summt!“. Jetzt wollen die bisher 20 Teilnehmer entscheiden, auf welche Vorschläge sie sich zunächst konzentrieren möchten. Das Hauptanliegen: Die Speisenkarte für die Bienen in Mühlacker reichhaltiger zu machen.

Die Initiative entstand im Juni 2016, nachdem der Gemeinderat 5000 Euro Anschubfinanzierung genehmigt und Stadträtin Dr. Ulrike Fuchs sich bereit erklärte, einen offenen Arbeitskreis zu leiten, der aus interessierten Bürgern und Stadträten besteht. Nach zwei eher internen Vorbereitungstreffen kam es nun zum ersten Workshop als Ideenbörse. Inzwischen hat das Netzwerk ein eigenes Logo: eine Biene in den Stadtfarben Mühlackers.

Das Bündnis möchte dem Bienensterben und Artenschwund bei Wildbienen und anderen Insekten in Mühlacker entgegentreten. Eine Ursache für den Rückgang zahlreicher Insektenarten sei die Reduktion des vielfältigen Angebots an bis in den Oktober blühenden Pflanze. Der Rückgang der Insektenvielfalt führe in der Folge auch zu einem Rückgang der Vögel, die auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind. „Um dem Artenschwund bei Insekten zu begegnen, muss das Nahrungsangebot für diese Tiere verbessert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Imker, Gärtner, Obstbaumfachwarte, Naturschützer und Ratsmitglieder erarbeiteten bei dem Treffen im Vereinsheim der Mühlacker Kleintierzüchter in vier Arbeitsgruppen die Grundzüge eines lokalen Handlungskonzepts. Bei der anschließenden Präsentation der Ergebnisse wurden aus jeder Gruppe ein bis zwei Vorschläge ausgewählt, welche als erstes sinnvoll umgesetzt werden könnten.

Für die Arbeitsgruppe „Bienen und Wildbienen“ ist es besonders wichtig, dass die in Garten und Landschaft Tätigen Informationen darüber bekommen, welche Pflanzen man ansäen, welche Bäume man pflanzen und wie man die Flächen pflegen kann, um dem Nahrungs-Mangel vor allem im Spätsommer und Herbst für die Insekten erträglicher zu gestalten. Die zuletzt blühenden einheimischen Pflanzen sind das Efeu und die Winterlinde. Eine alternative Energiepflanze zum Mais ist die spätblühende Staude „Durchwachsene Silphie“. Eine weitere Idee, der rasch umgesetzt werden könne, war die Veranstaltung einer jährlichen Samenbörse.

Eine Samen- und Staudenbörse hielt auch die Gruppe „Gemeinde, Kommune und Unternehmen“ für rasch umsetzbar. Ob sich eine in den Mühlacker Stadtfarben blühende Blumenmischung leicht realisieren lässt, wird sich weisen, hieß es.
Die Arbeitsgruppe „Kunst, Kultur, Musik und Unternehmungen“ schlägt einen Fotowettbewerb „Der schönste Blütenbesucher“ vor. Darüber hinaus sollten im Rahmen von gut etablierten Mühlacker Veranstaltungen themenspezifische Musikaufführungen oder Gestaltungswettbewerbe initiiert werden – quasi rund um die Biene.

Die vierte Gruppe „Öffentlichkeitsarbeit“ schlug den Bau eines „Bienenturms“ vor, an dem man die Honigbienen und ihre Arbeit im Bienenstock sorglos beobachten kann. Selbstverständlich seien eine regelmäßige, gute Pressearbeit und die Nutzung der neuen Medien besonders wichtig.

Alle Gruppen hatten eine gute Liste mit weiteren Ideen, die in den folgenden Jahren, zeitlich strukturiert, angegangen werden können. Die Weiterentwicklung der ersten Vorschläge, eine gute Präsentation in der Öffentlichkeit und die Suche nach Sponsoren stehen nun an.

Das nächste Treffen der Initiative „Mühlacker summt!“ ist am 17. November 2016. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Nähere Informationen finden sich auf der Homepage www.muehlacker-summt.de.

Info:
Die Initiative ging im Frühjahr 2016 vom Biologen Dr. Martin Hasselmann aus; der Professor an der Universität Hohenheim wohnt in Mühlacker. Sie ist Teil einer nationalen Aktion. Aus „Berlin summt!“, Startpunkt der Gesamtinitiative und gegründet Ende 2010, wurde schnell ein Projekt, dem sich Engagierte aus (bisher) elf weiteren Städten anschlossen: Hamburg, Frankfurt am Main, München, Hannover, Eichstätt, Pfaffenhofen a.d. Ilm, Schweinfurt, Ingolstadt, Neuenhagen, Mühlacker. Weitere summen sich gerade ein. Die Stiftung für Mensch und Umwelt von Dr. Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer unterstützt die Aktion. Hasselmann und Cornelis Hemmer machten mit beim ersten Workshop in Mühlacker. Oberbürgermeister Frank Schneider unterschrieb im Juli eine Unterstützungsvereinbarung mit der überregionalen Aktion „Deutschland summt!“